Igstadter Kulturtage: "Hier war doch auch mal ein Geschäft." Historischer Rundgang durch das Igstadt der 1960er Jahre.

Wie in den vergangenen Jahren, war der Historische Rundgang des Heimat- und Geschichtsvereins Igstadt auch bei den diesjährigen Kulturtagen eine Veranstaltung, die auf großes Interesse stieß. An die 60 Teilnehmer waren gespannt zu erfahren, wo es in den 60er Jahren in Igstadt Geschäfte und Handwerksbetriebe gab, die heute nicht mehr existierten. Obwohl hin und wieder der Regenschirm aufgespannt werden musste, folgten Alteingesessene, aber auch eine Vielzahl von Neubürgern interessiert und wissbegierig den Ausführungen von Hans-Dieter Dörr, Karl Heinz Häuser und Michael Weidenfeller, alle vom Vorstand des HGV.

Karl Luft in seinem Geschäft in der Hauptstraße
Karl Luft in seinem Geschäft in der Hauptstraße

Bereits bei den Vorbereitungen zeigte sich, dass die geschätzte Zahl an Geschäften und Betrieben immer wieder nach oben korrigiert werden musste. Die endgültige Liste umfasste schließlich 51 Gewerbetriebe und Verkaufsstellen. Schnell wurde klar, dass während den geplanten zwei Stunden des Rundgangs nicht alle Straßen aufgesucht werden konnten. Bei einer Vorbegehung wurde festgelegt, an welchen Punkten Halt gemacht und dort über die jeweiligen Geschäfte und ihrer Inhaber berichtet wird.

Von Beginn an beteiligten sich die Igstadterinnen und Igstadter intensiv an den Gesprächen und ergänzten die Ausführungen mit der einen oder anderen Anekdote. Oftmals erfolgte ein zustimmendes Nicken, wenn erzählt wurde, wie es zum Beispiel bei Fahrstunden vor der Führerscheinprüfung zuging oder wie der Umgang mit Kunden in einem Lebensmittelgeschäft war. Auch die lockere Atmosphäre bei Bankgeschäften in den damals noch existierenden kleinen Filialen wurde in Erinnerung gerufen und festgestellt, dass es heute doch anders ist.

Als besondere Attraktion öffnete Reinhold Voigt am Ende des Rundgangs seine alte Schmiede. Während man bei den Häusern heute kaum noch Hinweise auf ein ehemaliges Geschäft findet, ist die alte Schmiede mit ihren Maschinen und Werkzeugen Dank des Engagements von Herrn Voigt im alten Zustand erhalten geblieben. Durch stetige Wartung und Pflege sind noch viele Maschinen funktionsfähig. Davon konnten sich die Teilnehmer des Rundgangs überzeugen. Man teilte sich in zwei Gruppen auf. Während jeweils eine Gruppe von Herrn Voigt durch die Schmiede geführt wurde, erläuterte Hans-Dieter Dörr im überdachten Innenhof großformatige Fotos der heutigen Häuser mit ehemaligen Geschäften, die aus Zeitgründen beim Rundgang nicht direkt vorgestellt werden konnten.

Michael Weidenfeller hatte vergrößerte Kopien von Werbeanzeigen von Gewerbetreibenden dabei, die aus den Vereinsfestschriften der 50er, 60er und Anfang der 70er Jahre stammten. Wie er zeigen konnte, blieben viele bei ihrem Layout. Änderungen gab es bei dem einen oder anderen Betrieb hinsichtlich der Schriftgröße und der Buchstabenform. Interessant ist auch, dass in der alten Feuerwehrfestschrift vom Ende der 50er Jahre noch keine Adressen genannt sind, weder Straßenamen, Hausnummern noch Telefonnummern waren enthalten. Man kannte das Geschäft durch seinen Namen, und wusste wo es sich befand. Wurde doch einmal ein Straßennamen aufgeführt, so sucht man heute vergeblich diese Straße in Igstadt. Durch die Eingemeindung vieler Orte zur Stadt Wiesbaden wurden die Straßennamen geändert, um eine Doppel- oder Mehrfachnennung zu vermeiden. Die Annahmstelle W. Cramer der Wäscherei Herborn befand sich in der Gartenstraße, heute die Dornkratzstraße, die Drogerie Rothhaupt in der Mittelstraße, heute die Sankt-Gallus-Straße. Am Ende des Rundgangs wurde allen klar, wie vielfältig das Geschäftsleben im Igstadt der 60er Jahre war und dass damals noch eine deutlich bessere Selbstversorgung vor Ort möglich war, die heute oftmals vermisst wird.

Michael Weidenfeller

Das Igstadter Wappen