Jüdische Familien

Der Heimat- und Geschichtsverein sieht es als seinen Auftrag an, das Schicksal der jüdischen Einwohner Igstadts zu erforschen und zu dokumentieren. Zunächst stand das Schicksal der Familien unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Fokus. Die Recherchen ergaben jedoch, dass sich jüdische Familien in Igstadt ab dem 16. Jahrhundert nachweisen lassen. Diese lange jüdische Tradition ist in Vergessenheit geraten. Auch erinnert nichts mehr an die jüdischen Familien im 20. Jahrhundert, die ihren Beitrag zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenleben geleistet haben. Wir erinnern in diesem Zusammenhang auch an die männlichen Mitglieder der Familie Löwensberg, die am Ersten Weltkrieg teilgenommen haben. Ab Frühsommer 1939 hatte Igstadt keine Einwohner jüdischen Glaubens mehr. Die beiden Kapitel über jüdische Familien vom 16. bis 19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert vermitteln einen Einblick.

Eine umfangreiche Publikation wurde erarbeitet und ist seit September 2014 verfügbar. Ergänzend bot Herr Dr. Wolf-Rüdiger Schmidt, Publizist und Vorstandsmitglied im HGV, am 11. November 2014 einen Vortrag an mit dem Titel "Ein langer Weg nach Igstadt und ein kurzes Ende".
Wir bitten Sie, die Arbeit des Heimat- und Geschichtsvereins mit historischem Material aller Art und/oder Berichten zu unterstützen. Wir freuen uns über jedes Dokument und jede Erinnerung. Vielen Dank.

Informationen: Was ist nach dem Erscheinen der Publikation im September 2014 noch geschehen? Ein Auszug.

Mai 2015: Das Holocaust Memorial Center, Michigan, hat Kontakt zu dem HGV aufgenommen. Hier ein Auszug aus der Korrespondenz:

Von: Andrea Moellering [mailto:Andrea.Moellering@holocaustcenter.org]

Gesendet: Montag, 4. Mai 2015 22:12

Betreff: "Sie waren unsere Nachbarn"

(...)  Das Buch ist für uns nicht nur von außerordentlicher Bedeutung, weil es sehr gut über die jüdische Gemeinde in Igstadt berichtet, sondern auch weil es sich ganz genau mit den Schicksal verschiedener jüdischen Familien auseinandersetzt. Auch deswegen werden wir das Buch im „Memorial-Book“ Bereich unserer Bibliothek aufnehmen – einen Bereich in unserer Bibliothek, der uns sehr wichtig ist. Vielen Dank für Ihre Bemühungen und auch herzlichen Dank an Herrn Dr. Weidenfeller.

Mit freundlichen Grüßen aus Michigan, Andrea Möllering

Action Reconciliation Service for Peace Volunteer, Holocaust Memorial Center • Zekelman Family Campus, 28123 Orchard Lake Road • Farmington Hills, MI 48334

April 2016: Gedenktafel

Eine Gedenktafel, die an jüdisches Leben in Igstadt seit dem 16. Jahrhundert erinnert und insbesondere über das Schicksal der vertriebenen und ermordeten Juden in Igstadt informiert, wurde  in der Ortsmitte St.-Walbertus-Straße/Ecke St.-Gallus-Straße aufgestellt. Im Rahmen einer Gedenkfeier wurde am 10. April 2016 die Gedenktafel der Öffentlichkeit übergeben. Die Tafel wurde von der Fa. Tural, Schierstein, angefertigt. Ausführliche Informationen zu der Veranstaltung und die Redebeiträge finden Sie unter Archiv.

Eugen Eschwege, geb. 09.09.1877 in Langenschwalbach/Bad Schwalbach, ermordet 1942 in Sobibor.

Fast zufällig entdeckte die Nachfahrin der Familie Schapiro, Frau Prof. Judith Levi, Chicago, den Namen von Eugen Eschwege an dem Mahnmal am Michelsberg. Schnell war bestätigt, dass es sich um den Schwager ihrer Großmutter Ida Levi handelte.

Thekla Levi und Eugen Eschwege, 1913. Fotograf: Eduard Blum, Ffm
Thekla Levi und Eugen Eschwege, 1913. Fotograf: Eduard Blum, Ffm

Eugen Eschwege, Musiker und Komponist, lebte seit seiner Eheschließung 1913 in Mainz, jedoch ab 1931 von seiner Familie getrennt. Die Ehe wurde 1937 geschieden. Sohn Helmut emigrierte 1936 nach Palästina, seine Frau Thekla und die Tochter Edith folgten 1937. Eugen lebte ab ca. 1934 in Wiesbaden. Wegen der Trennung wussten die Nachfahren, die jetzige Enkel- und Urenkelgeneration, in USA und Israel fast nichts über die letzten Lebensjahre ihres Großvaters, der am 10. Juni 1942 nach Lublin deportiert und in Sobibor ermordet wurde. Ingrid Dahl vom HGV recherchierte die Familie von Eugen Eschwege, insbesondere seine letzten Jahre, die geprägt waren von Krankheit und großer wirtschaftlicher Not. Judith Levi trug frühe Fotos bei der Verwandtschaft in USA und Israel zusammen, besonders unterstützt von Eugens Enkelin Shlomit Halfi, so dass im Mai 2015 den Nachfahren und dem Aktiven Museum Spiegelgasse, Wiesbaden, eine kleine Dokumentation zur Verfügung gestellt werden konnte. Weitere Recherche-Ergebnisse, insbesondere die musikalische Vita betreffend, konnten im März 2016 zu einer Dokumentation zusammengestellt werden.

Update Juni 2016: Für Eugen Eschwege wurde am 1. Juni 2016, 10.15 Uhr in der Dotzheimer Straße 31 ein Stolperstein verlegt. Am Nachmittag wurde im Gedenkraum des Rathauses das Erinnerungsblatt für Eugen Eschwege vorgestellt.

Stolpersteinverlegung 1. Juni 2016, Vortrag und Ablauf
Vortrag SSV-Eschwege deutsch-engl_fin.pd
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Dokumentation der Recherche-Ergebnisse
Eugen Eschwege_Doku_fin_2016.pdf
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"Davon haben wir nichts gewusst". Szenische Lesung. Das Textbuch zur szenischen Lesung, das in dem Buch "Sie waren unsere Nachbarn" abgedruckt ist, wurde der Albrecht-Dürer-Schule, Wiesbaden, zur Verfügung gestellt. Die Albrecht-Dürer-Schule erhielt im März 2015 das Prädikat "Friedensschule".

Juden und Christen. Zwei Wege des Glaubens - eine gemeinsame Wurzel.

Gesprächsabend am 03. März 2015 mit Dr. Ruth Huppert, Ev. Stadtakademie Wiesbaden, und Dr. Wolf-Rüdiger Schmidt, Vorstandsmitglied in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und im HGV. Informationen unter Veranstaltungen/Archiv.

Das Igstadter Wappen