Der Platz an der Linde, das Denkmal und der Lennetisch

Ausschnitt aus Postkarte von vor 1910. Die Fläche unterhalb Lindenplatzes ist noch vollkommen frei. Das Denkmal wurde 1897 errichtet, erkennbar ist auch der sog. Lennetisch, der bereits 1839 aufgestellt wurde.
Ausschnitt aus Postkarte von vor 1910. Die Fläche unterhalb Lindenplatzes ist noch vollkommen frei. Das Denkmal wurde 1897 errichtet, erkennbar ist auch der sog. Lennetisch, der bereits 1839 aufgestellt wurde.

20. April 2018: Engagierte Igstadterinnen und Igstadter treffen sich auf dem Lindenplatz für einen alternativen Vorschlag

Wie auch der Tagespresse zu entnehmen war, war die Mehrheit der Teilnehmenden der Bürgerversammlung "Runder Tisch" am 11. April 2018 mit den vorgestellten Planungen des Grünflächenamtes und des Kulturamtes/Amt für Denkmalpflege zur Gestaltung des Lindenplatzes, der barrierefreien Zuwegung zur Schule über den Platz und der Restaurierung der beiden Denkmäler nicht einverstanden. Das Grünflächenamt zeigte sich offen für Vorschläge aus der Bürgerschaft zur Nachbesserung. Um mit einer Stimme zu sprechen, trafen sich am 20. April unter der Federführung von Oliver Weiß, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Igstadter Ortsvereine, und Erik Dahlhäuser, Vorsitzender der Kerbegesellschaft, zahlreiche Vertreter von Igstadter Vereinen, des Ortsbeirates sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger, um sich über die Gestaltung des Platzes und die Zukunft der Denkmäler zu verständigen. Es war Konsens, dass einerseits der Historie (siehe auch unter Archiv 2015 und 2016) des Platzes - soweit noch sichtbar - Rechnung getragen werden sollte wie auch der Nutzung des Platzes durch die Kerbegesellschaft zur Durchführung der traditionsreichen Lindenkerb. Man einigte sich u.a. über den Standort des Lennetisches bzw. seiner Replik, die Begrenzung des sog. Kriegerdenkmals, den Verlauf der Beete, die Ausgestaltung des Zauns und dessen Begrünung, den Standort der Bänke und des Baumköchers für den Weihnachtsbaum und den Verlauf des Zugangs zu dem Platz. Wiederholt wurde der direkte Zugang zu der Dachterrasse des Schulerweiterungsbaus von dem Lindenplatz aus angemahnt wie in der Beschlussvorlage von dem Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Ortsbeirat Igstadt 2016 beschlossen, aber seitens des Schulamtes nicht ausgeführt. Der gemeinsame Vorschlag vom 20. April 2018 wird dem Grünflächenamt fristgerecht bis zum 28. April 2018 über die Interessengemeinschaft der Ortsvereine übermittelt. Man ist bereits jetzt sehr auf das weitere Verfahren und den nächsten "Runden Tisch" gespannt.

11. April 2018: "Runder Tisch" als Bürgerversammlung zur Gestaltung des Lindenplatzes und der Restaurierung der Denkmäler auf dem Platz

Ortsbeirat und Grünflächenamt laden ein zu einem Gespräch über die Gestaltung des Lindenplatzes nach dem Abschluss der Baumaßnahmen der Peter-Rosegger-Schule und über die Zukunft der Denkmäler auf dem Platz. Nachstehend finden Sie die Einladung des Dezernates für Umwelt, Grünflächen und Verkehr über Herrn Stadtrat Andreas Kowol als PDF-Datei.

11. April, 18.30 Uhr, Pfarrscheune Igstadt. Die Pläne sind bereits ab 18.00 Uhr zu sehen.

Einladung Bürgerversammlung_Lindenplatz.
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10. November 2017: Der Neubau wurde "behutsam eingefügt".

Die Stellungnahme und einen Leserbrief zu dem Artikel im Wiesbadener Kurier anlässlich des Richtfestes am 10.11.2017 lesen Sie bitte in den nachstehenden pdf-Dateien. Zur Entwicklung des Lindenplatzes siehe auch auf dieser Website "Der Platz an der Linde".

2017-11-16 Stellungnahme Richtfest Grund
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2017-11-19_Leserbrief an den Wiesbadener
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23.09.2015: Der "Lennedisch" ist jetzt Kulturdenkmal

Obwohl viele Igstadter davon überzeugt waren, dass der Lennedisch bereits unter Denkmalschutz steht, stellte der Heimat- und Geschichtsverein Igstadt nach Rücksprache mit der Denkmalpflege der Stadt Wiesbaden fest, dass der Tisch noch nicht als geschütztes Denkmal ausgewiesen ist. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen hat jetzt den „Lennedisch“ als Einzeldenkmal gem. § 2 Abs. 1 des Hessischen Landesdenkmalschutzgesetzes (HDSchG) unter Denkmalschutz gestellt und damit in die Liste hessischer Kulturdenkmäler aufgenommen. Der 176 Jahre alte Tisch aus rotem Sandstein steht neben den ebenfalls denkmalgeschützten alten Schulgebäude und dem Kriegerdenkmal auf dem Platz „Auf der Linde“ im Ortskern von Igstadt. Der historische Ortskern von Igstadt einschließlich des Lindenplatzes und des gesamten Schulgeländes steht als Gesamtanlage ebenfalls unter Denkmalschutz. Der „Lennedisch“ ist das älteste noch erhaltene Einzelobjekt auf einem öffentlichen Platz in Igstadt. Der 1839 gesetzte Sandsteintisch ist damit älter als das Kriegerdenkmal, das im Jahr 1897 errichtet wurde, und älter als der Wasserturm  aus dem Jahr 1910.

Kulturdenkmal Lennedisch_2015.pdf
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Weitere Informationen unter Veranstaltungen/Archiv.

Historische Fotos:

Lindenplatz-Ensemble 2015-2017:

Mai 2015: Visionär und aktuell: Vom "Lennetisch" zum "Runden Tisch".

Ensemble März 2015
Ensemble März 2015

Was mag Johann Georg Göbel im Jahre 1839 bewogen haben, seiner Heimatgemeinde Igstadt ausgerechnet einen Tisch aus Sandstein zu schenken?

Göbel, geboren 1769 in Igstadt, war Bierbrauer und Schultheiß von Groß-Rohrheim.

Er verband möglicherweise berufsbedingt mit einem Tisch die Vorstellung von Gastlichkeit. Zudem auch die Vorstellung von Menschen, die sich an einem Tisch zusammen finden, um miteinander zu reden, zu lachen, zu debattieren, diskutieren, streiten und um sich zu einigen. Als Schultheiß ist er mit diesen Vorgängen bestens vertraut.

Der "Lennetisch" also ein visionärer Vorgänger des "Runden Tisches", der gerade in diesen Wochen (Mai 2015) so dringend benötigt wird? Eine schöne Vorstellung und wichtige Botschaft!

Die Igstadter Bürgerschaft wählte als Standort für dieses Geschenk ihren schönsten Platz: Die natürliche Anhöhe an der heutigen Hauptstraße im Schatten von Lindenbäumen. Der Lindenplatz oder der Lenneplatz war die "gute Stube" Igstadts: Von hier hat man einen wunderschönen Blick bis weit hinein in das Rheintal und bis zu den westlichen Taunushöhen. Naheliegend war es daher im Jahre 1897, an dieser Stelle auch das "Kriegerdenkmal" zu errichten. 

Der Platz wurde zur 'gefühlten Mitte' für Generationen von Igstadtern, ein Ort der Dorfgemeinschaft. Noch heute wird er zum geselligen Beisammensein und zur Pflege des dörflichen Brauchtums genutzt. Der Lindenplatz ist ein erhaltenswertes Kleinod, auch wenn er sich im Laufe des vergangenen Jahrhunderts durch die angrenzende Bebauung verändert hat. Der „Lennedisch“ ist im Jahre 2015 das älteste noch erhaltene Einzelobjekt auf einem öffentlichen Platz in Igstadt! Der 176 Jahre alte Tisch aus rotem Sandstein steht neben dem denkmalgeschützten Kriegerdenkmal auf dem Platz „Auf der Linde“ an der Hauptstraße im denkmalgeschützten Ortskern (Gesamtanlage) von Wiesbaden-Igstadt. Seit September 2015 ist der Lennetisch auch offiziell als Kulturdenkmal geschützt.

In Igstadt auf der "Lenn"

In Igstadt auf der „Lenn“

Von Marie-Luise Sternberger, Igstadt, Anfang der 1980er Jahre


Das schönste Plätzchen im ganzen Ländchen,

das ist in Igstadt die Lindenhöhe.

Dort sitz ich gerne auf einem Bänkchen

und freue mich, wenn ich in die Ferne sehe.

Er ist nicht mehr da, der alte Lindenbaum (1).

Doch schließe ich die Augen,

dann sehe ich ihn im Traum,

höre ihn erzählen aus alten Tagen.

Würde ihn gern nach vergangenen Zeiten fragen.

War der Himmel früher so klar,

dass man von der „Lenn“ aus sah

im Rheingau die Germania?

Denkmal, Blick nach Westen,  April 2015
Denkmal, Blick nach Westen, April 2015

Ich denke an Krieg, Schmerz und Not,

wenn hinter dem Denkmal leuchtet der Himmel im Abendrot.

 

Wo früher in der Abendstille

die „Ihster“ sangen ihre alten Weisen,

hört man heute Militärflugzeuge (2) kreisen.

Doch ist es schön für mich gerade hier zu leben, denn ich weiß, es wird bald wieder klarere Luft und Abendstille geben.

 

Ich hab’s erfahren in einem Traum,

den ich geträumt habe

unter dem alten Lindenbaum.

Anmerkungen HGV, 2015:

(1) Die Linde wurde 1975 auf Veranlassung des Grünflächenamtes

gefällt. Die Krankheit des Baumes konnte nicht bestätigt werden,

die Igstadter waren über die Fällung des alten Lindenbaumes empört.

(2) Beschrieben werden die Militärflugzeuge der Air Base Erbenheim, die auch über Igstadt ihre Übungsflüge absolvierten.

Der Blick in die Ferne war noch möglich. Der 1998/1999 errichtete Schulneubau verhindert weitgehend den Ausblick nach Westen. Zwischen dem Neubau und dem Lindenplatz befindet sich mittlerweile eine begrünte Fläche mit Sträuchern und Bäumen, so dass der Neubau nur im Winter sichtbar ist.

Das Igstadter Wappen