Der Wasserturm

Aktuell zu den Kulturtagen 2017: "Ihster" Rundgang, Station Wasserturm

Zu den Kulturtagen 2017 hat der Heimat- und Geschichstverein Igstadt eine Kurzinformation vorbereitet. Siehe hierzu das nachstehende pdf-Dokument.

HGV_Wasserturm_2017_web.pdf
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"Unser Ihster Turm!" Erbaut im Jahre 1910, ist der Wasserturm das weithin sichtbare Wahrzeichen Igstadts. Alle Informationen über seine Entstehung, seine Bedeutung für die Igstadter Wasserversorgung und seine jetzige Nutzung in Privatbesitz können Sie den folgenden Informationen entnehmen. Gewürdigt wurde der Wasserturm im Rahmen der Igstadter Kulturtage im Jahre 2009. Ausgiebig gefeiert wurden er und sein 100-jähriges Bestehen im Jahre 2010. Folgen Sie dem Link, wenn Sie mehr darüber erfahren möchten.

Der Igstadter Wasserturm wird zum Wohnhaus. Informationen zur dieser spannenden Entwicklung finden Sie in dem Bericht von Dr. Kurt Rauschnabel aus dem Jahre 2009. Der Text mit zahlreichen Bauzeichnungen ist veröffentlicht in der Igstadter Chronik 2.

Wasserturm wird Wohnhaus.pdf
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Die Igstadter Wassergewinnung und der Wasserturm

Vorgeschichte - Erste Schürfungen - Gemeindebeschluß

Im Jahr 1910 konnte die damals noch selbständige Gemeinde Igstadt im Landkreis Wiesbaden ihre erste eigene Wasserversorgungsanlage in Betrieb nehmen. Im Wickerbachtal westlich der Kreisstraße Igstadt-Medenbach (K 657) wurde das Wasserwerk und auf einer mit 210,9 Meter über NN höchst gelegenen Stelle Igstadts im Distrikt "Vorm Graben" der 27 Meter hohe Wasserturm errichtet, der inzwischen zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen des Ortes geworden ist. Die Gemeinde hatte damals 882 Einwohner. Bürgermeister waren von 1901 bis 1909 Wilhelm Schneider und ab 1910 Emil Kleinschmidt. Den eigentlichen Anstoß zum Bau einer eigenen Wassergewinnungsanlage gab die langanhaltende Trockenheit des Jahres 1905. Die Versorgung mit Wasser erfolgte zur damaligen Zeit noch aus Brunnen, die sich zum größten Teil in Privatbesitz befanden, sowie aus einigen Gemeindebrunnen. Einer dieser Gemeindebrunnen, der sogenannte "Kirchborn" unweit der Kirche in der Bornstraße ist heute noch vorhanden und dient der Feuerwehr als Löschwasserentnahmestelle, während ein weiterer Gemeindebrunnen in der Ortsmitte in den frühen zwanziger Jahren zugeschüttet wurde. Viele Igstadter haben damals trotz erheblicher Aufwendungen für Brunnenbohrungen kein Wasser auf ihren Grundstücken erschließen können und mussten das für Haus und Hof notwendige Trink- und Nutzwasser oft aus größeren Entfernungen mit Eimern, Bottichen oder Fässern heranschaffen. Seit dem Trockenjahr 1905 beschäftigten sich daher auch die Gemeindekörperschaften ernsthaft mit dem Projekt einer eigenen Wassergewinnungsanlage. Mit Erleichterung werden die Einwohner deshalb im Spätherbst 1906 auch die Nachricht vernommen haben, dass eine private Gesellschaft beabsichtigte, in Flörsheim ein Wasserwerk zu bauen und die Ortschaften des Ländchens mit gutem Trink- und Nutzwasser zu versorgen. Als der "Rheinische Kurier" in seiner Ausgabe vom 21. September 1906 die Pläne der Flörsheimer Wasserversorgungsgesellschaft näher darlegte, berichtete er auch gleichzeitig, dass die "Gemeinde Igstadt, wo im oberen Teil des Dorfes immer großer Wassermangel herrscht, im Walde links vom Weg nach Medenbach gutes Gebirgswasser erschürft" habe. In dem vom Wiekerbach durchflossenen Wiesental war man am Fuße eines etwa 6 Meter fast senkrecht aufsteigenden Hanges auf eine äußerst ergiebige Quelle gestoßen, deren Wasser in das Dorf geleitet werden sollte. Doch erst im Oktober 1906 fassten die Gemeindekörperschaften den Entschluß, eine eigene Wassergewinnungsanlage zu bauen und beauftragten Diplom-Ingenieur Dr. Moder aus Wiesbaden einen Vorentwurf mit Kostenvoranschlag zu erstellen. Prompt tauchte daraufhin - wie der "Wiesbadener General-Anzeiger" am 11. November 1906 berichtete - die Frage auf, ob nicht auch die Nachbargemeinde Nordenstadt mitversorgt werden könne.

Topographische und allgemeine Verhältnisse

Der Wiesbadener Diplom-Ingenieur Dr. Moder nahm seine Arbeit im Wickerbachtal, etwa 2,1 Kilometer nördlich von der Orts mitte und westlich der Straße nach Medenbach auf und stellte seinem Ermittlungsbericht die topographischen und allgemeinen Verhältnisse Igstadts voraus. Er stellte zunächst fest, dass der Kern des Ortes östlich der Bahnlinie Wiesbaden-Niedernhausen auf einer Anhöhe von etwa 190 bis 212 Metern über NN liegt, die zukünftige Bebauung sich aber auch auf den Bereich westlich der Bahnlinie in Richtung Kloppenheim und Bierstadt in einer Höhenlage zwischen 178 und 190 Meter "Am Wiesenhang" erstrecken könnte. Die damals noch spärliche Bebauung endete vor dem ersten Weltkrieg in der Hinterbergstraße mit dem Bahngelände und dem Gelände der Firma Gottlob Kurz und in der Susannastraße mit dem landwirtschaftlichen Anwesen Ludwig Dieffenbach, heute Siebert. Die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde werden als gut bezeichnet. Die kommunale Einkommensteuer betrug 90, die Realsteuer 135 und die Betriebssteuer 100% des Messwerts. Diplom-Ingenieur Dr. Moder führt weiter aus, dass der Ort vorwiegend von der Landwirtschaft geprägt ist und außer der etwa 700 Meter nördlich vom Dorf gelegenen Ziegelei Ritzel über keine größeren Gewerbebetriebe verfügt. Wegen des Wassermangels könnte die Ziegelei ihren Betrieb nicht vergrößern.

Ermittlung des täglichen Wasserbedarfs

Der Ermittlung des Wasserbedarfs der Gemeinde Igstadt legte Dr. Moder den Bevölkerungsstand des Jahres 1907 zugrunde. Igstadt hatte zur damaligen Zeit 820 Einwohner in 177 Haushaltungen und hatte 540 Stück Großvieh sowie 500 Stück Kleinvieh zu versorgen. Der Bevölkerungszuwachs sei verhältnismäßig gering gewesen. Die Einwohnerzahl der Gemeinde habe 1890722 und 1905787 Personen betragen, was einem Bevölkerungszuwachs von durchschnittlich 0,6 Prozent pro Jahr entspreche. Den täglichen Wasserbedarf der Gemeinde errechnete Dr. Moder nach folgendem Schema: 820 Einwohner zu 50 Liter pro Kopf und Tag: 41,0 cbm 540 Stück. Großvieh zu 50 Liter pro Haupt und Tag: 27,0 cbm. 500 Stück Kleinvieh zu 15 Liter pro Haupt und Tag: 7,5 cbm Bedarf für das Dorf pro Tag: 75,5 cbm. Bedarf für die Ziegelei (nach Angabe des Besitzers) pro Tag:10,0 cbm. Derzeitiger durchschnittlicher Tagesbedarf: 85,5 cbm. Der Zunahme der Bevölkerung wurde vorsorglich durch einen Zuschlag von 15 Prozent gleich 13 Kubikmeter pro Tag Rechnung getragen, so dass das Projekt für eine durchschnittliche Leistung von 100 Kubikmeter Wasser pro Tag konzipiert werden müsse, stellte Dr. Moder fest.

Schürfe - Pumpversuch und vorhandene Wassermenge

Über die Möglichkeit der Wasserbeschaffung für die Gemeinde Igstadt bezog sich Diplom-Ingenieur Dr. Moder auf die von Landesgeologe Professor Dr. Leppla im Sommer 1906 an verschiedenen Stellen in der Gemarkung vorgenommenen Schürfe und die erstellten Gutachten. Danach wurde als das Naheliegendste eine Wassergewinnung mit künstlich zu hebendem Wasser und am geeignetsten dafür das Grundwasser des Wickerbachtales angesehen. Festgestellt wurde ferner, dass das am rechten Rand der Talsohle des Baches, etwa 180 Meter westlich der Straße Igstadt-Medenbach im Distrikt "An den dreißig Morgen" erschlossene Wasser bestens geeignet ist. In dem im Sommer 1906 ausgehobenen sechseinhalb Meter tiefen Schacht stieß man unter einer 2 bis 3 Meter starken Lößschicht auf schiefriges Gestein; und zwar auf den klüftigen und reichliche Wassermengen führenden sogenannten Taunus-Phyllit. Bei der Abteufung des Schürfschachtes wurde bereits in einer Tiefe von 4 bis 5 Meter soviel Wasser vorgefunden, daß es mit einer Handpumpe nicht mehr bewältigt werden konnte. Um eine weitere Vertiefung des Schachtes vornehmen und die Ergiebigkeit der Quelle feststellen zu können, wurde ein Dauerpumpversuch mit Lokomobile und Zentrifugalpumpe vorgenommen. Während des Pumpversuchs, der ununterbrochen Tag und Nacht vom 13. August morgens 6.00 Uhr bis zum 29. August 1906 abends 18.00 Uhr - also 17 Tage lang - dauerte, betrug die geförderte Wassermenge täglich zwischen 86 und 260 Kubikmeter. Das Wasser war stets vollkommen klar und hatte bei einer Lufttemperatur zwischen 17 und 22 Grad je nach Tageszeit stets eine Temperatur von 9 bis 10 Grad aufzuweisen. Aus den Messungen der verschiedenen Fördermengen geht weiter hervor, dass bei Entnahmen von 86 bzw. 260 Kubikmeter der Wasserspiegel sich auf 4,85 bzw. 5,70 Meter stellte und eine größere Absenkung des Wasserspiegels während des 17 Tage dauernden Versuchs nicht zu registrieren war. Nach Einstellung des Pumpens war innerhalb weniger Stunden der ursprüngliche Wasserstand wieder vorhanden. Auch die vorgenommenen chemischen und bakteriologischen Untersuchungen verliefen positiv und Anlaß zu Verunreinigungen bestanden bei der nur geringfügigen Besiedlung des sich von Naurod und Auringen her erstreckenden Wicke rb acht als nicht, zumal die nächste Ansiedlung, die Stützelmühle (Obermühle), etwa 400 Meter östlich des Schurfes liegt. Schindäcker oder verunreinigendes Wasser führende Gräben sind selbst in größerer Entfernung nicht vorhanden und nach den Vorschlägen des Landesgeologen sollte eine Schutzzone von 30 Meter um den Schürfschacht ausgewiesen werden.

Konzept der Wassergewinnungsanlage

Dem Vorschlag des Landesgeologen Professor Dr. Leppla entsprechend, der bei Bedarf die Erschließung einer neuen Schürfstelle in einer Entfernung von 30 bis 50 Meter für sinnvoll hielt, empfahl Diplom-Ingenieur Dr. Moder zur Fernhaltung des oberen Grund- und Sickerwassers eine Abdichtung des Schachtmauerwerkes mit einer 30 Zentimeter starken Zementschicht. Er ging bei der Erstellung seines Konzeptes davon aus, daß sich die geplante Wassergewinnungsanlage im Wickerbachtal auf einer Höhe von rund 180 Meter über NN befindet und bei Förderung eine maximale Absenkung des Wasserspiegels - aus Sicherheitsgründen - auf 170 Meter über NN angenommen, das Wasser aber in den Ort hochgeleitet werden muß. Durch die vorhandenen Höhenunterschiede wurde die Errichtung eines Betonbehälters ausgeschlossen, so dass - um Schwankungen des Wasserverbrauchs im Ort Rechnung zu tragen und auch immer einen ausreichenden Wasservorrat für Feuerlöschzwecke zur Verfügung zu haben - der Bau eines Hochbehälters erforderlich wurde. Ausgehend davon, dass der Wasserturm an der dafür geeignetsten Stelle zwischen der Breckenheimer Straße und Nordenstadter Straße auf einer Höhe von 212 Meter über NN - tatsächlich sind es 210,9 Meter über NN - gebaut werden sollte, ermittelte er mit komplizierten Berechnungen unter Berücksichtigung des höchstgelegenen Versorgungspunktes, der Druckverhältnisse im Verteilernetz, die es bei Bränden erlaubten, mit direktem Strahl aus Hydranten auch maximal 16 Meter hohe Gebäude am höchsten Punkt des Ortes zu löschen, die Mindesthöhe des Hochbehälters mit einem Fassungsvermögen von 80 Kubikmeter Wasser von 25 Meter. Unter der weiteren Berücksichtigung des Reibungsverlustes in der 2,1 Kilometer langen Druckleitung vom Wasserwerk zum Wasserturm und einer maximalen Förderhöhe von 170 auf 240 Meter über NN, also 70 Meter, hielt Dr. Moder bei einer Förderung von 8 Kubikmeter Wasser pro Stunde zwei liegende Plungerpumpen, wovon eine stets in Reserve stehen sollte, für notwendig. Für den Antrieb der Pumpen sollten zwei Benzinmotoren von jeweils 4 PS vorgesehen werden. Für das Verteilernetz schlug Dr. Moder das Kreislaufsystem vor, wobei an den toten Eckpunkten, die sich bei der Bebauung nicht vermeiden ließen, Hydranten angebracht werden, so dass jederzeit eine Spülung möglich wäre. Als Material für die Rohrleitungen wurden gußeiserne Muffrohre, für die Hausanschlüsse außerhalb der Gebäude Bleirohre und innerhalb der Häuser galvanisierte schmiedeeiserne Rohre vorgeschlagen. Die Druckverhältnisse im Rohrnetz, in dem in Abständen von 60 bis 80 Meter Hydranten eingebaut werden sollten, müsse maximal 6 und im unteren Teil von der Pumpstation zum Hochbehälter 7 Atmosphäre betragen. Diplom-Ingenieur Dr. Moder stellte folgenden Kostenvoranschlag auf: (...) Summa: 80.000 Mark. Der Vorentwurf wurde am 14. März 1908 vom Regierungspräsidenten gebilligt und am 7. Dezember 1908 legte Dr. Moder den ausführlichen Endentwurf vor. Geprüft wurde auch, ob die in etwa 400 Meter Entfernung liegende Obermühle nicht zur Hebung des Wassers Verwendung finden könne. Man kam aber zu dem Schluß, dass die vorhandene Wasserkraft insbesondere in den trockenen Jahreszeiten zu gering ist und darüber hinaus auch der Ankauf der Mühle zu teuer wäre.

Bau der Wasserversorgungsanlage der Gemeinde Igstadt

Mit der Erstellung des endgültigen Entwurfs waren die Voraussetzungen für den Bau einer Wassergewinnungs- und -versorgungsanlage für die Gemeinde Igstadt geschaffen und im Herbst 1909 wurde das Projekt auch in Angriff genommen. Die erschürfte Quelle erhielt eine schachtartige Fassung in Backsteinmauerwerk von 12 Meter Tiefe und einen Durchmesser von 1,5 Meter. Die Sohle aus Taunus-Phillit wurde nicht verbaut. Im unteren Drittel ließ man an der Südseite eine Nische offen, durch die das Wasser austreten konnte. Der 4-PS-Benzinmotor im unmittelbar anschließenden Wasserhaus mit Pumpanlage reichte aus, um zwei Kolbenpumpen anzutreiben, die für eine Fördermenge von 8 Kubikmeter pro Stunde konzipiert waren. Für Störungsfälle stand ein Reservemotor bereit. 1919 wurde der Benzinmotor durch einen Elektromotor ersetzt.

Die Erschließung der Wasserversorgungsanlage und die Verlegung des Ortsnetzes gingen offenbar ohne größere Verzögerungen zügig voran, da die Gemeinde bereits am 19. Februar 1910 eine Ortssatzung "Wasserwerk der Gemeinde Igstadt" beschließen konnte, die den Wasserpreis auf 30 Pfennig für den Kubikmeter festsetzte, aber bestimmte Mindestkontingente vorschrieb. 1924 wurde der Wasserpreis auf 40 Pfennig für den Kubikmeter erhöht und der alte Mindestverbrauch von 2 Kubikmeter beibehalten. Wassermeister war damals Willi Becht, der von seiner Ehefrau Lina unterstützt und dem nach seinem Tod sein Sohn Walter Becht nachfolgte. Bis zur Eingemeindung Igstadt nach Wiesbaden am 1. April 1928 waren 156 Anwesen an das mittlerweile 4,773 Kilometer lange Ortsnetz angeschlossen. Im letzten Jahr des selbständigen Betriebes des Gemeindewasserwerks 1966 wurden 10645 Kubikmeter Wasser abgegeben.

Der weithin sichtbare Wasserturm - ein Wahrzeichen Igstadts

Mit dem im Distrikt "Vorm Graben" auf 210,9 Meter über NN 1910 errichteten 27 Meter hohen Wasserturm (ohne Spitze) wies die Igstadter Wasserversorgung eine architektonische wie technische Besonderheit auf, die sie von allen Ortsanlagen des Wiesbadener Umlandes unterschied. Da der Igstadter Ortskern auf einer Anhöhe liegt und die Geländeverhältnisse für den Bau eines unterirdischen Reservoirs dem Planer nicht geeignet erschienen, blieb als Ausweg nur die Errichtung eines Wasserturms. Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen folgte man allerdings nicht Diplom-Ingenieur Dr. Moders Konstruktionsvorschlägen, die einen 25 Meter hohen Turm über quadratischem Grundriss mit vier Eisenbetonsäulen an den Ecken vorsahen, womit statisch wie optisch "ein geschlossener Kasten" entstanden wäre. Stattdessen zog es die Gemeinde vor, den Bauplan der Kölnischen Maschinenbau Aktiengesellschaft, Köln-Bayenthal, zu realisieren.

So erhielt der Igstadter Wasserturm einen kreisrunden Grundriss, der sich in fünf Geschossen bis zum Auflage ring des Behälters verjüngt. Der niedrige Sockel besteht aus grob zugehauenen Sandsteinquadern. In den Sockel ist ein rechteckiges Portal eingelassen, dessen trapezförmiger Giebelsturz auf vorkragen- den Pfosten ruht. Der Übergang zwischen Ständer- und Behälterteil bildet eine dreimal gekehlte, scharfkantige Auskragung. Als Reservoir wählte man einen genieteten Stahlbehälter vom Typus "Intze". Professor Otto Intze, der in Aachen lehrte, galt um die Jahrhundertwende als führender Wasserexperte. Er hatte erstmals in Essen seinen neuen Behältertypus erprobt, der danach eine weite Verbreitung fand. Die entscheidende Neuerung bestand in der möglichst spannungsfreien Konstruktion des Auflagerings zwischen Ständer und Behälter.

Der eigentliche landschaftsbezogene Reiz der Igstadter Anlage liegt in der Behälterummantelung. Es handelt sich um ein mit Schiefer verkleidetes Achteck, auf dem ein - durch eine Belüftungskuppel unterbrochenes - achtseitiges, schiefergedecktes Pyramidendach sitzt, gekrönt von einem großen Knauf. Eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen dem 1910 erbauten Igstadter Wasserturm besteht insbesondere zu dem 1912 entstandenen zehnseitigen Bahnwasserturm von Bischofsheim, der gleichfalls einen schiefergeschützten Behälterteil und das auffällig gebrochene Schieferdach hat.

Wasserturm für die weitere Wasserversorgung ohne Bedeutung

Die Entwicklung des Wiesbadener Stadtteils Igstadt, der Ende 1965 insgesamt 1642 Einwohner in 551 Haushaltungen zählte, machte auch eine Neuorientierung in der Wasserversorgung erforderlich. So wurde 1966, obwohl noch zwei neue Brunnen erschlossen worden waren, mit einem Kostenaufwand von 781.950 DM eine Wasserleitung nach Bierstadt gebaut und Igstadt im Sommer 1966 an den Groß stollen "Fichten" angeschlossen. Mit der Einstellung der Eigenwasserversorgung hatte auch der Wasserturm seine Bedeutung verloren und war funktionslos geworden. Doch als der Aufsichtsrat der Stadtwerke Wiesbaden, die seit der Eingemeindung für die Wasserversorgung in Igstadt zuständig waren, im März 1973 die Frage aufwarf, ob der für die Wasserversorgung nicht mehr benötigte Wasserturm mit einem relativ beträchtlichen Kostenaufwand von rund 30.000 DM instandgesetzt oder für die einmalige Ausgabe von etwa 40.000 DM abgebrochen werden sollte, erhob sich ein regelrechter Proteststurm und die Igstadter - Alt- und Neubürger - gingen auf die Barrikaden. Christdemokraten und Jungsozialisten hatten im Handumdrehen rund 800 Unterschriften gesammelt und Oberbürgermeister Rudi Schmitt, der zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke AG war, übergeben. Die Ortsvereine schlossen sich mit einem Protestschreiben an und der Ortsbeirat sprach sich in einem einstimmigen Votum mit Nachdruck für die Erhaltung des Wasserturms als Wahrzeichen des Ortes aus. Diese Aktivitäten verfehlten auch ihre Wirkung nicht auf die Wiesbadener Kommunalpolitiker und so ging der Wasserturm für einen symbolischen Kaufpreis in den Besitz der Landeshauptstadt Wiesbaden über und blieb als weithin sichtbares Wahrzeichen Igstadts und zugleich als technisches Denkmal dörflicher Wasserversorgung aus der Zeit um die Jahrhundertwende erhalten. Nachdem 1973 Dach und Schieferverkleidung fachgerecht renoviert und in einen sicheren Zustand gebracht worden waren, erfolgte 1980 die Erneuerung des Außenputzes. Das Wasserwerk mit der Pumpstation im Wickerbachtal ist allerdings nicht mehr vorhanden. Es wurde im Juli 1976 abgerissen und zwei der insgesamt drei Brunnen wurden zugeschüttet. Recherche und Text: Walter Crecelius. Veröffentlicht in: Igstadter Chronik 2, 2009.

Das Igstadter Wappen